Serienprodukt oder Eigensinn? Warum KI mich (noch) nicht ersetzen kann
Ich liebe KI. Wirklich. Ich benutze sie oft im Alltag. Ich diskutiere manchmal mit ihr. Sie entwirft Bilder von meinen Romanhelden und Szenen, die mich inspirieren. Ich lasse sie Rechtschreibfehler in meinen Texten korrigieren und manchmal lasse sie auch an meinen Klappentexten herumbasteln.
Das Ergebnis? Sie ist sehr fleißig, sehr höflich und klingt wie ein Praktikant, dem ich alles zweimal erklären muss. Sie ist ein perfektes Hilfsmittel für mich, mehr aber auch nicht.
Und genau da wird die Sache interessant. Was kann ich, das die KI nicht kann? Lohnt es sich überhaupt noch, monatelang auf Clannons selbstgemachte Romane zu warten, wo die KI das doch viel schneller kann?
Clannon 1981. Lange vor Algorithmen
📚 Clannon vs. KI
Ich schreibe seit über vierzig Jahren Bücher, seit 2013 veröffentliche ich sie. Nie, weil ich Geld damit verdienen oder gar berühmt werden wollte, sondern weil ich einfach nicht anders kann, weil so viele Geschichten in mir sind, die raus müssen.
Dabei gehe ich oft gegen den Mainstream. Ich liebe komplexe Konstruktionen statt nullachtfünfzehn Erzählmuster. Meine Figuren sind nicht aus der Schablone, sie sind manchmal unbequem, manchmal sogar ätzend … bis sie vielleicht am Ende nett werden 😁.
Ich opfere Verkaufszahlen zugunsten meiner eigenen, inneren Wahrheit.
Ich wechsle oft die Genres, aber nie mein Pseudonym.
Wenn mich ein Stoff reizt, dann schreibe ich darüber, auch wenn das marketingtechnisch der Super-GAU ist und manche Leser von ihrer „Lieblingsautorin leider enttäuscht sind“. 😆
Das bin ich. Und genau das kann die KI nicht klonen.
Was die KI sehr gut kann
Sie kann zehn Romance- oder Fantasy-Serien im Monat auswerfen, bekannte Erzählmuster perfekt bedienen, Cliffhanger mechanisch setzen, Zielgruppen analysieren und Leserwünsche erfüllen.
Und das ist echt beeindruckend!
Weil, ganz ehrlich, viele menschliche Autoren können das nicht, selbst wenn sie es wollten. Und ich? Selbst wenn ich es könnte, ich WILL das nicht.
Was die KI da schafft ist eine Industrieleistung: Saubere Dramaturgie, vorhersehbare emotionale Belohnung (und genau das wollen die Leser). Die Erwartungen werden zuverlässig, wenn auch nur mittelmäßig, erfüllt.
KI enttäuscht nicht, weil sie nie das Risiko eingeht, frech oder unbequem oder anders zu sein.
Was KI für mich verändert
KI ist keine echte Konkurrenz zu meinen eigenwilligen Geschichten, das bilde ich mir zumindest ein.
Sie spuckt nur das aus, was alle erwarten. Sie produziert am laufenden Band. Sie glättet alles auf gefällig und macht das Mittelmaß schneller verfügbar.
Am Ende gibt es mehr Bücher, aber nicht mehr zu sagen und ganz bestimmt nicht mehr Tiefe.
Wo ich stehe
Meine Geschichten sind komplex, mit Brüchen und Ambivalenz.
Meine Wortwahl ist nicht weichgespült oder gar von der Empfindsamkeits-Zensur glattgeschliffen. Meine Helden sind keine Streichelzoo-Figuren. Sie sind manchmal Arschlöcher, und meist anders als die Standard-Schnulzen-Helden und vor allem ... sie fluchen, verfickt noch mal, wenn ihnen danach ist. Und das bleibt auch so.
Ich bin kein Massenoptimierungsmodell.
Das heißt nicht, dass ich besser oder schlechter bin als die KI. Ich bin anders.
Ich bin eben Clannon Miller.
Wann KI für mich wirklich gefährlich wird
Wenn ich meinen Eigensinn verliere.
Wenn ich mich den Erwartungen der Masse anpasse.
Wenn ich Konflikte entschärfe und Charaktere weichspüle.
Wenn ich meine zünftige und deutliche Sprache zugunsten von Sensibilitäten aufgebe.
Dann wäre ich ersetzbar.
Solange ich unbequem bleibe, bin ich nicht durch eine KI zu ersetzen.